Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
da die Wissenschaft natürlich auch auf dem Gebiet der Reproduktionsmedizin ständig Neues berichtet und Ihr ja sonst mit neuen Entwicklungen im Bereich Gynäkologie und Geburtshilfe überhäuft werdet, habe ich mir erlaubt, Euch ganz speziell über die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Reproduktionsmedizin mittels Newsletter zu informieren. Dazu werde ich ab sofort als kleines Dankeschön für die gute Zusammenarbeit regelmäßig einen Newsletter verschicken.
In diesem ersten Newsletter möchte ich über den europäischen Kongress in Stockholm (Juli 2011 ESHRE) berichten.
Beim ESHRE in Stockholm waren über 300 Vorträge. Die interessantesten Ergebnisse möchte ich Euch in Stichworten mitteilen.
Kontrazeption:
Die kontrazeptive Effektivität nach Sterilisation mit Essure: Versagerrate (5 Jahre): 0,25%, Pearl-Index (5 Jahre): 0,05
Konzeption:
Clearblue Ovulationstest versus Kalendermethode: Gegenüber der Kalendermethode mit ca 30% konnte der Ovulationstest mit 72,2% Detektionsrate signifikant besser die fruchtbaren Tage vorhersagen. Wenn der Ovulationstest 20 Tage lang durchgeführt wird, kann sogar mit 98%iger Wahrscheinlichkeit die Ovulation bestimmt werden.
Urinäre Bisphenol-A (BPA) Konzentrationen beeinflussen negativ die ovarielle Reserve bei Frauen mit Sterilität: BPA ist Ausgangssubstanz für viele Kunststoffe (Verpackungen, Flaschen, Spielzeug). Die Hypothese, dass BPA-Exposition zu einem beschleunigten Follikelverlust beim Menschen führt, wurde durch die Untersuchung unterstützt.
Neuer Schwellenwert der Follikelzahl (AFC) und des Serum-AMH für die Definition PCOS:
Aufgrund der höheren Sensitivität und Spezifität des AMH-Schwellenwerts von 5ng/ml oder 35pmol/l sollte die AMH-Bestimmung als Kriterium für die Diagnostik des PCOS aufgenommen werden. Der Schwellenwert von >12 Follikel/Ovar sollte auf 19Foll./Ovar geändert werden.
PCO und Metformin:
Untersuchungen des Granulosa Zell Metabolismus konnten zeigen, dass bei PCOS Patientinnen Metformin zu einem verbesserten Glukosemetabolismus und zu einer Verminderung der Laktatakkumulation in Richtung „Normalkollektiv“.
Adipositas:
Die Follikelflüssigkeit adipöser Frauen ist im Vergleich zu der von Normalgewichtigen signifikant unterschiedlich und die Oozytenentwicklung beeinträchtigt.
Klinefelter Syndrom (47XXY):
Solche Pat. haben in 40% einen positiven Spermiennachweis in der TESE!
Junges Alter erhöht die Chancen für den Spermiennachweis. Präoperativ niedriges Testosteron < 7,5nmol/l ist ungünstig. Präoperative Testosterongaben sind ungünstig und müssen pausiert werden.
Timing der IUI: 24 versus 48 Stunden nach dem spontanen LH Anstieg:
Ergebnis: Es gibt keinen signifikanten Unterschied in der SS Rate!
Wichtig jedoch ist, dass die IUI vor dem Eisprung stattfindet.
Effekt des BMI (Body Mass Index) auf das IVF Ergebnis (Klin. SSRate, Geburtenrate und Abortrate):
Ein BMI > oder gleich 25 hat einen neg. Zusammenhang mit Lebendgeburt- und Abortrate.
Dünnes Endometrium und vorangegangene Curretage:
Es besteht ein Zusammenhang zwischen dünnem Endometrium und SS-Rate bei IVF und Kryozyklen. Vorangegangene Curettagen sind ein Risikofaktor für Hypomenorrhoe und Verwachsungen.
Reduzieren Myome die Erfolgsrate bei Eizellspendezyklen (=ohne Stimulation)?
Myome reduzieren die SS Rate
Myome erhöhen das Risiko in der Schwangerschaft
Myomnarben scheinen das Geburtsrisiko nicht deutlich zu erhöhen.
Submuköse Myome mit > ca 5cm sollten entfernt werden.
Chirurgische Myomentfernungen sind der Embolisation vorzuziehen.
Erste allogene Uterus-Transplantation im Tiermodell bei der Ratte geglückt: Geburt von gesunden Baby Ratten.
Biopsie von Tag 3 Embryonen und Durchführung von FISH Methode ist nicht sinnvoll.
Trend geht zur Blastocystenbiopsie und Durchführung von CGH.
Neue Zahlen bei Ab. Habitualis Patienten:
In 86% dieser Patienten treten mit und ohne begleitende Therapie innerhalb von 2 Jahren Schwangerschaften ein und in 65% gibt es Lebend Geburten.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich hoffe, Euch damit einen kurzen Überblick über die neuesten Erkenntnisse dieses wissenschaftlichen Großereignisses gegeben zu haben. Ich möchte jedoch darauf hinweisen, dass ich die Themen äußerst subjektiv ausgewählt habe. Bei über 300 Vorträgen ist es nicht leicht, jene auszuwählen, die Euch eventuell Interessieren könnten.
Mit lieben Grüßen,
Josef Zech