Derzeit sind weltweit rund 33 Millionen Menschen mit dem HI-Virus (HIV) infiziert. Seit 1995 hat sich die Zahl der Medikamente zur Behandlung von AIDS vervielfacht, und damit die Lebensqualität von HIV-infizierten Personen stark verbessert. Durch die Fortschritte der antiretroviralen Therapie und der damit verbundenen steigenden Lebensperspektive von HIV-infizierten Menschen, wächst vielfach auch der Wunsch nach einem eigenen gesunden Kind.
Da eine HIV-Infektion jedoch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit beim Geschlechtsverkehr auf den nicht infizierten Partner übertragen wird, und letzten Endes eventuell auch von der infizierten Mutter auf das Kind, schien bis vor wenigen Jahren dieser Wunsch noch unerfüllt zu bleiben.
Im Jahre 2003 publizierte ein französisches Forscherteam (Team von Jeanine Ohl vom Centre d´Assistance médicale à la procréation) erstmals die gefahrlose Zeugung von nicht infizierten Babies durch künstliche Befruchtung HIV-infizierter Väter. Bei HIV-positiven Frauen funktioniert die gefahrlose künstliche Befruchtung dagegen bisher nur schlecht, berichteten die Forscher in der Fachzeitschrift Human Reproduktion (Band 18, Seite 1244).
Das Nativ-Ejakulat besteht aus 3 wesentlichen Bestandteilen: Spermien, Seminalplasma und nukleäre Begleitzellen (Vorläuferzellen der Spermatogenese und weiße Blutzellen). Das HI-Virus konnte bislang nur im Seminalplasma und in nukleären Begleitzellen nachgewiesen werden, in seltenen Fällen auch in unbeweglichen Spermien. Studien weisen darauf hin, dass vitale, bewegliche Spermazellen nicht als Virusträger in Betracht kommen (Weigel 1999, Pena 2003, Gilling-Smith 2003).
Heute können durch standardisierte Aufbereitungstechniken bewegliche gesunde Spermien von den übrigen Bestandteilen des Ejakulates getrennt, und die in der Samenflüssigkeit enthaltenen HI-Viren ausgesondert werden. Ein zusätzlicher Waschschritt garantiert die Reinheit der beweglichen gesunden Spermien.
Durch dieses Verfahren werden somit ausschließlich HIV-freie beweglich Spermien für die künstliche Befruchtung (ICSI, IMSI, IVF, Insemination) verwendet. Die Aufbereitung des Spermas HIV-infizierter Männer wurde 1987 zum ersten Mal publiziert (Semprini 1987). 1989 wurden in Italien und 1991 in Deutschland die ersten Inseminationen HIV-negativer Frauen mit dem aufbereiteten Samen ihrer HIV-infizierten Partner vorgenommen.
In keiner der bislang publizierten Studien mit HIV-positiven Männern, führte die künstliche Befruchtung zu einer HIV-Infektion der Partnerin bzw. des Kindes (Louis Bujan et al. 2007, V. Savasi et al. 2007, etc).
Vorraussetzung um auf diese Methode zurückgreifen zu können ist, dass der Infektionsprozess im infizierten Mann stabil ist, dh dass die Viruslast seit mindestens 6 Monaten unter der Nachweisgrenze liegt (dh die Virämie ist supprimiert).
Da auch wir an unserer Klinik der Meinung sind, jedes Paar verdient die Chance zur Verwirklichung ihres Kinderwunsches, bieten wir HIV-infizierten Männer die bestmögliche „Samenaufbereitung“ ihres Ejakulates an, um ihre Familienplanung zu ermöglichen.

