Die künstliche Befruchtung

Von der Eizellgewinnung bis hin zum Embryotransfer

Um Sie darauf vorzubereiten, was Sie erwartet wenn Sie sich in unserer Klinik künstlich befruchten lassen möchten, haben wir alle wichtigen Informationen von der Eizellgewinnung bis hin zum Embryotransfer für Sie zusammengestellt.

1) Follikelpunktion - Eizellgewinnung

Um der Frau ihre Eizellen zu entnehmen, müssen die Eibläschen (Follikel) im Eierstock mit einer feinen Nadel abgesaugt (Aspiration) werden. Der gesamte Eingriff wird mittels Ultraschall kontrolliert (siehe Foto). Das Röhrchen mit der Follikelflüssigkeit wird sogleich aus dem Operationssaal direkt durch ein Durchreichefenster in unser IVF-Labor gegeben. Die Follikelflüssigkeit wird sofort von einem oder zwei Mitarbeitern im Labor auf Eizellen durchsucht. Dieser Vorgang wird in unserer Klinik mittels Bildschirm in den OP übertragen, sodass die Patientin die Eizellsuche mitverfolgen kann. Wenn Eizell-Cumuluskomplexe gefunden werden, werden diese gleich in ein dafür vorgesehenes Schälchen mit Nährlösung (= Medium) umgebettet, um die Eizelle von vorhandenen Blutzellen zu trennen. Wenn keine Eizellen gefunden werden, kann der Follikel durch die Punktionsnadel hindurch mehrmals mit Spülmedium gespült werden, um eine bessere Eizellausbeute zu erzielen.

Nach Absaugung der Eizellen, liegen diese in einem Zellhaufen vor. Die Eizelle befindet sich in Mitten von Granulosazellen, welche eine hügelähnliche Vorwölbung (Cumulus oophorus) bilden. Die Eizelle ist von einer Zellschicht, der sogenannten Corona radiata und ihrer Glashaut (Zona pellucida = Schutzhülle um die Eizelle) umgeben. Spermien, welche bei einer natürlichen Befruchtung die Eizelle erreichen, setzen lytische Enzyme aus dem Akrosom frei, mit deren Hilfe das Spermium zuerst die Granulosazellschicht und dann die Zona pellucida der Eizelle durchdringt. Damit nach Verschmelzung der Membran von Spermium und Eizelle nicht weitere Spermien in die Eizelle eindringen können, wird die Eizellreaktion in Gang gesetzt. Dabei werden kortikale Granula entleert, welche das Eindringen weitere Spermien verhindern.

Da bei der künstlichen Befruchtung, ein Spermium direkt mit einer dünnen Nadel in die Eizelle injiziert wird, ist der Eizell-Cumuluskomplex nicht mehr nötig, deshalb wird diese von einem Labormitarbeiter mittels enzymatischem Verdau entfernt, dies nennt man Denudation. Danach liegt die Eizelle mit ihrer Zona pellucida frei vor.
Im weiblichen Genitaltrakt ist eine Eizelle der Theorie nach maximal 24 Stunden befruchtungsfähig. Auch bei der künstlichen Befruchtung kann eine reife Eizelle nur in einem bestimmten Zeitfenster befruchtet werden. Üblicherweise ist dies 1 bis 6 Stunden nach Absaugen der Eizelle aus dem Eibläschen.
In unserer Klinik bieten wir neben der Insemination abhängig von der Indikation des Mannes und der Frau drei Arten der künstlichen Befruchtung an:

  • IVF = in vitro fertilisation
  • ICSI = intrazytoplasmatische Spermieninjektion
  • IMSI = Intrazytoplasmatisch morphologisch selektierte Spermieninjektion

Siehe auch: Behandlungsmöglichkeiten

Kinderwunsch-Clinic Dr. Zech
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2) Embryonalentwicklung im IVF-Labor

Die Eizelle wird am nächsten Morgen nach künstlicher Befruchtung unter dem Mikroskop analysiert, um festzustellen, ob sie erfolgreich befruchtet wurde. Eine befruchtete Eizelle weist als Merkmal nach Verschmelzung von Ei- und Samenzelle zwei Vorkerne (= Pronuclei) auf. In diesem Stadium wird die befruchtete Eizelle als Zygote bezeichnet.

Unbefruchtete Eizelle Befruchtete Eizelle

Links: unbefruchtete Eizelle, Rechts: befruchtete Eizelle = Zygote

Während der ersten Tage nimmt die Zygote an Volumen zu und teilt sich in mehrere Tochterzellen, in so genannte Blastomere. Dieser Prozess ist als Furchungsteilung bekannt. Nach 24 h hat sich der Embryo in einen Zweizeller geteilt, welcher sich nach 48 h weiter in einen Vierzeller und nach 3 Tagen in einen Acht- bis Zehnzeller teilt. Nach 4 Tagen besteht die junge Frucht aus 16 bis 32 Zellen (Blastomeren) und gleicht einer Brombeere. Man bezeichnet deshalb dieses Stadium auch als Beerenstadium (Morulastadium). Am Tag 4 beginnen die Zellen, die nach wie vor in der Zona pellucida eingeschlossen sind, miteinander zu verschmelzen (= Kompaktierung).

Künstliche Befruchtung

Je nach Entwicklungsgeschwindigkeit eines Embryos entwickelt sich dieser unter geeigneten Kulturbedingungen am Tag 5 oder Tag 6 zu einer Blastozyste (= Keim-bläschen). Dies ist jenes Entwicklungsstadium der Embryonalentwicklung, welches unmittelbar vor der Einnistung in die Gebärmutter auftritt. Die Blastozyste besteht aus einer Blastozystenhöhle, einer äußeren Zellmasse (= Trophoblast) und einer inneren Zellmasse, dem Embryoblast, aus welchem sich der eigentliche Embryo entwickelt. Aus dem Trophoblasten entstehen die Eihäute und die kindlichen Anteile der Plazenta.
Wichtig ist zu erwähnen, dass nicht jede Eizelle befruchtungsfähig ist, und sich auch nicht jede befruchtete Eizelle zu einer Blastozyste entwickelt.

Kinderwunsch-Clinic Dr. Zech

3) Embryotransfer

2 bis 5 Tage nach der Punktion findet bei uns in der Klinik der Embryotransfer statt. Bei diesem schmerzfreien Eingriff,  werden die Embryonen in der Höhle des Gebärmutterkörpers (Cavum uteri) platziert. Der Embryotransferkatheter besteht aus einer Hülse, durch die ein Teflon- oder Silikonkatheter geschoben werden kann. 

An der Spitze des Katheters befindet sich eine Öffnung, durch welche der oder die Embryonen unter dem Mikroskop aufgesaugt (aspiriert) werden (siehe Foto). In unsere Klinik ist es den Patienten möglich, das Aufsaugen des oder der Embryonen in den Katheter anhand eines Bildschirms im OP mit zu verfolgen, welcher mit dem Mikroskop im IVF-Labor verbunden ist.

Je nach Qualität und Anzahl der vorliegenden Embryonen, dem Alter der Patientin, Anzahl des Versuches und ihrer Vorgeschichte werden der Patientin ein oder zwei, maximal aber drei Embryonen empfohlen. Es ist uns ein Anliegen, das Mehrlingsrisiko so gering als möglich zu halten. Nach einem kurzen Gespräch mit einem Mitarbeiter aus dem IVF-Labor, wird die Patientin vor dem Embryotransfer über die Entwicklung ihrer Embryonen informiert, und es wird dann gemeinsam besprochen, wie viele Embryonen transferiert werden.

Ebenso stehen sowohl die Mitarbeiter aus dem IVF-Labor als auch unsere Gynäkologen für offene Fragen vor dem Embroytransfer zur Verfügung. In unserer Klinik darf selbstverständlich auch der Partner oder die Mutter/Schwester/Freundin beim Embryotransfer im OP anwesend sein.

Viele IVF Zentren weltweit kultivieren und transferieren heutzutage Embryonen im Blastozystenstadium. Dies hat folgenden biologischen Hintergrund: Unter natürlichen oder In-vivo Bedingungen wandert der Embryo ca. 3 Tage durch den Eileiter und gelangt etwa 80 Stunden nach dem Eisprung im Morula-Stadium oder im frühen Blastozystenstadium in die Gebärmutterhöhle. Die Blastozyste schwimmt noch ein bis zwei Tage in der Gebärmutterflüssigkeit, bis sie den Grad der expandierten Blastozyste erreicht hat. Circa sechs Tage nach der Befruchtung nistet sich die Blastozyste in die Gebärmutterschleimhaut ein. Durch den Blastozystentransfer im IVF-Labor wird der Embryo in jenem Stadium in die Gebärmutter übertragen, in dem er sich auch unter in-vivo-Bedingungen in der Gebärmutter befindet. Folglich entsteht in der physiologischen Entwicklung zwischen Embryo und Gebärmutterschleimhaut keine Dysharmonie. Des Weiteren ist es für uns oft sehr schwierig vorherzusehen, welcher der Embryonen der „Beste“ ist, insbesondere wenn eine Patientin viele Embryonen hat, die sich weiterentwickeln. Deshalb warten wir dann mit dem Embryotransfer bis zum Blastozystenstadium ab, um sicher zu sein, welche der Embryonen sich zu qualitativ guten Blastozysten entwickeln.

Wenn eine Patientin allerdings nur wenige Embryonen hat, und sich schon in den ersten Tagen herauskristallisiert, welcher der Embryonen die beste Entwicklung aufweist, kann der Embryotransfer bereits früher stattfinden, ohne dabei der Patientin einen Nachteil zu verschaffen. Wir haben auch mit früheren Embryotransfers (Tag 2 bis Tag 4) eine vergleichbar gute Schwangerschaftsrate.
Blastozysten guter Qualität, welche nicht transferiert werden, werden nach Rücksprache mit der Patientin am Tag 5 oder 6 für weitere Versuche tiefgefroren/kryokonserviert (= Cryo-Embryotransfer).

Siehe auch: Kryologie und Kryokonservierung im Rahmen künstlicher Befruchtung

Kinderwunsch-Clinic Dr. Zech
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