Erkrankungen im Mundraum - Wie beeinflussen Sie die Möglichkeit einer Schwangerschaft?

Die individuelle Mund- und Zahngesundheit bilden die Basis für die ganzheitliche Gesundheit des menschlichen Organismus. Laut wissenschaftlicher Studien begünstigen kranke Zähne sowie krankes Zahnfleisch nachweisbar die Entstehung lebensbedrohlicher Herz – Kreislauferkrankungen. Ebenso konnten Forscher im Rahmen medizinscher Untersuchungen belegen, dass spezifische Erkrankungen des Mundraumes die weibliche Fruchtbarkeit nachhaltig reduzieren bzw. maßgeblich herabsetzen. Demnach sind explizit Parodontitis – Erkrankungen mit hohen gesundheitlichen Risiken für den jeweiligen Patienten und einem anhaltenden Herabsetzen der weiblichen Fruchtbarkeit verknüpft. 

Als Parodontitis wird eine Entzündung des Zahnhalteapparates klassifiziert, die durch aggressive Bakterien des Zahnbelags hervorgerufen wird. Als Reaktion auf den permanenten Angriff, wird die Produktion körpereigener Entzündungsbotenstoffe anhaltend angeregt und somit eine chronische Entzündung von Zahnfleisch und Kieferknochen forciert. Bleibt das Krankheitsbild unbehandelt, gelangen die Bakterien in die Blutbahn. Von dort verbreiten sie sich im gesamten Organismus. Dies führt langfristig zu Zahnverlust, einer Verschlechterung der Allgemeingesundheit und einer fortwährenden Minderung der weiblichen Fruchtbarkeit. 

Da die individuelle Anfälligkeit eines Patienten eine Parodontitis zu entwickeln auf ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren zurückzuführen ist, gilt das Krankheitsbild als objektiv komplex. So beeinflussen Mundflora, Immunsystem, Rauchen, Ernährung und eventuelle Stoffwechselerkrankungen, ob eine Parodontitis entsteht. Zusätzlich konnten Wissenschaftler eines internationalen Forschungsnetzwerkes diesbezüglich genetische Risikofaktoren identifizieren. Somit wiesen die Forscher unter Leitung der Charité Berlin bestimmte DNA – Sequenzen nach, die über ihre spezifische Codierung mindestens zwei Gen – Sequenzen mit hochsignifikanten Assoziationen für die Herausbildung der Erkrankung enthielten. Die Ergebnisse der Forschungen wurden im Jahre 2017 von dem Fachmagazin „Human Molecular Genetics“ publiziert. 

Eine finnische Studie untermauert die These, dass die Mundgesundheit einen permanent direkten Einfluss auf die weibliche Fruchtbarkeit ausübt. Als Probanden wurden 256 Frauen im Lebensalter zwischen 19 und 42 Jahren ausgewählt, die eine unmittelbare Schwangerschaft anstrebten. Das Durchschnittsalter lag bei 29,2 Jahren. Über ein Zeitfenster von einem Jahr beobachteten die Forscher, ob die Frauen ihren Kinderwunsch realisieren konnten. Veröffentlicht wurde die Studie in dem Magazin „Journal of Oral Microbiology“. 

Im Vorfeld der Studie erfassten die Mediziner die Konzentration der Paradontitisbakterien im Speichel und untersuchten Blut und Speichelflüssigkeit der Probandinnen auf mögliche Antikörper gegen parodontale Pathogene. Abschließend wurden die Frauen einer vaginalen Analyse unterzogen, um zuverlässig eine etwaig vorliegende Vaginose ausschließen zu können. Ferner wurde über umfassende Untersuchungen geprüft, ob Risikofaktoren für den unerfüllten Kinderwunsch verantwortlich sind. Als risikotreibend wurden Rauchen und spezielle Erkrankungen gewertet. 

Anhand der Studienreihe dokumentierten die Mediziner, dass die Frauen, deren Kinderwunsch während des betreffenden Jahres unerfüllt blieb, sowohl eine verhältnismäßig hohe Konzentration des Parodontitis - Bakteriums „ Porphyromonas gingivalis“ im Speichel als auch vermehrt entsprechende Antikörper in Blut und Speichel aufwiesen. In Relation dazu verfügten Teilnehmerinnen, die binnen des Untersuchungszeitraumes schwanger wurden über geringere Werte. 

Aufgrund dessen war die Wahrscheinlichkeit nicht schwanger zu werden für Frauen, die hohe Parodontitis - Bakterienkonzentrationen bzw. Antikörper erkennen ließen um den Faktor 3 erhöht. In Kombination mit klinischen Symptomen bzw. Anzeichen einer Parodontitis wuchs die Wahrscheinlichkeit für einen unerfüllten Kinderwunsch um das 4 – Fache an. 
Laut Experten ist der Nachweis der spezifischen Bakterienstämme nicht als direkter Grund für die Unfruchtbarkeit der Testpersonen zu verstehen. Allerdings dokumentieren die Studien, dass eine Parodontitis tatsächlich einen direkten Einfluss auf den Kinderwunsch nehmen kann. Ebenso zeigen die Untersuchungen, dass die Konzentration von Antikörpern und Bakterien nachweisbar die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft beeinflusst. Dies gilt selbst, sofern noch keine klinischen Anzeichen erkennbar sind. 

Inwiefern die Mechanismen zusammenhängen, müssen weitere Testreihen eruieren. Die Ergebnisse der finnischen Studie stützen die Vermutung, dass eine richtig ausgeführte Mundpflege sowie regelmäßige Zahnarztbesuche bereits im Vorfeld einer angestrebten Schwangerschaft essentiell bzw. unerlässlich sind. Die These wird durch eine weitere Beobachtungsstudie australischer Reproduktionsmediziner verifiziert. 

Im Verlaufe der Beobachtungen, die mit 3700 Probandinnen durchgeführt wurde, stellten die Forscher bei Frauen mit Parodontitis – Erkrankungen fest, dass selbige im Vergleich zu gesunden Studienteilnehmerinnen durchschnittlich 42 % mehr Zeit benötigten, um schwanger zu werden. Die Forschung nährt die Vermutung ein unerfüllter Kinderwunsch und eine Parodontitis stände im unmittelbaren Zusammenhang miteinander. 

Eine unbehandelte Parodontitis minimiert daher die Wahrscheinlichkeit auf eine Schwangerschaft. Zudem maximiert eine entsprechende Erkrankung des Mundraumes die Konzeption (Dauer bis zur Schwangerschaft). Die Erfolgsaussichten einer künstlichen Befruchtung werden durch Parodontitisbakterien geschmälert. Analog erhöht eine derartige Erkrankung des Mundraumes zudem das Risiko für Komplikationen während einer Gravidität. 

Eine professionelle Therapie der Parodontitis sowie kontinuierlich wahrgenommene Präventionsmaßnahmen können daher signifikant die Chancen für eine Schwangerschaft bzw. eine erfolgreiche künstliche Befruchtung erhöhen. Durch dieses zielgerichtete Vorgehen wird ergänzend das Risiko für Schwangerschaftsprobleme und Komplikationen minimiert. Getragen von der flächendeckend hochwertigen zahnmedizinischen Versorgung in Österreich, können Patienten die Leistungen der Zahnmediziner unkompliziert wahrnehmen. 


Quellen: