Welchen Einfluss hat die Schilddrüse auf die Schwangerschaft?

Die lebenswichtigen Schilddrüsenhormone Triiodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) sind an der Steuerung von Stoffwechselvorgängen und am Wachstum beteiligt. Werdende Mütter haben einen erhöhten Bedarf, da zum einen die vermehrte Bildung von Schwangerschaftshormonen in Wechselwirkung mit Triiodthyronin und Thyroxin steht. 

Zum anderen ist das ungeborene Kind im ersten Drittel der Schwangerschaft noch von der Versorgung mit den Schilddrüsenhormonen über die Plazenta abhängig. Erst ab der 12. Schwangerschaftswoche ist die fetale Schilddrüse in der Lage, eigenständig Hormone zu produzieren.

 

Hypothyreose und Hyperthyreose - gesundheitliche Risiken für Mutter und Kind 

Eine gesunde Schilddrüse gibt entsprechend des individuellen Bedarfs Trijodthyronin und Thyroxin in ausreichender Menge ins Blut ab. Für die Bildung dieser essenziellen Hormone benötigt die Schilddrüse Jod. Gemäß Weltgesundheitsorganisation haben erwachsene Menschen einen Jodbedarf von 200 μg, Schwangere haben einen Bedarf von 250 bis 300 μg pro Tag. 

Wird diese Menge langfristig unterschritten, ist die Schilddrüse nicht mehr dazu in der Lage genügend ihrer Hormone zu produzieren. In diesem Fall ist die Rede von einer Schilddrüsenunterfunktion bzw. Hypothyreose. 

Wird der Organismus langfristig mit zu viel Jod versorgt, kommt es zu einer Überproduktion an Schilddrüsenhormonen und man spricht von einer Schilddrüsenüberfunktion oder auch Hyperthyreose. 

Neben einem gestörten Jodhaushalt können noch andere organische Krankheiten Ursachen für die Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse sein. Diese Ursachen bedürfen der eingehenden ärztlichen Untersuchung und sind zumeist mit der Gabe von Medikamenten, in schweren Fällen von Schilddrüsenkarzinomen mit Operationen verbunden. 

Studien der vergangenen Jahre belegen, dass manifeste Unterfunktionen und Überfunktionen der Schilddrüse in der Schwangerschaft zu nachhaltigen gesundheitlichen Schäden von Mutter und Kind führen können.

 

Manifeste Schilddrüsenüberfunktion in der Schwangerschaft

Die Schilddrüsenunterfunktion bzw. Hypothyreose bedeutet einen deutlichen Mangel der benötigten Schilddrüsenhormone. Die allgemeinen Symptome sind geringere Stoffwechselfunktionen und Gewichtszunahme. 

In der Schwangerschaft führt die manifeste Hypothyreose zu vermehrten Früh-, Fehl- und Totgeburten, plötzlich auftretenden Schwangerschaftsvergiftungen im letzten Drittel der Schwangerschaft, Geburtskomplikationen, zur Verschlechterung der Schilddrüsenfunktion von Mutter und Kind und zu Störungen der fetalen Entwicklung. 

Studien belegen die verzögerte motorische Entwicklung im 6.–12. Lebensmonat von Kindern und verringerte kognitive Fähigkeiten im 10. Lebensjahr. So weist etwa ein Viertel der Kinder von Müttern, die eine unbehandelte manifeste Hypothyreose in der Schwangerschaft hatten, einen IQ-Wert von weniger als 85 auf.

 

Manifeste Schilddrüsenüberfunktion in der Schwangerschaft

Die Schilddrüsenüberfunktion bzw. Hyperthyreose ist durch eine übermäßige Produktion an Schilddrüsenhormonen gekennzeichnet. Typische Symptome sind unter anderem verstärkte Schweißbildung, beschleunigter Herzschlag, Herzrhythmusstörungen, schnelle Ermüdung, Zittern, ständiges Hungergefühl. 

Eine manifeste Überfunktion während der Schwangerschaft birgt ein hohes Risiko für Früh- und Fehlgeburten, Schwangerschaftsvergiftung und Plazentaablösung. Oft führt die manifeste Hyperthyreose bei der Schwangeren zur Herzinsuffizienz. Zudem kommt es zur Wachstumsverzögerung des Fetus sowie zu Schilddrüsen-Funktionsstörungen bei Neugeborenen.

 

Jod – gesunde Ernährung für Schwangere mit Milchprodukten, Seefisch & Co.

Vor etwa 100 Jahren gehörte Österreich noch zu den Jodmangelgebieten. Die Situation hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte insofern deutlich verbessert, als zum einen Speisesalz, Nahrungsmittel und Mineralwasser zusätzlich jodiert werden und zum anderen verstärkte ärztliche Kontrollen stattfinden.

 

Interessanterweise verliert die positive Entwicklung durch eine salzarme Ernährung an Kraft.

So hatte eine im Jahr 2004 durchgeführte Studie der Arbeitsgruppe „Schilddrüse“ der Österreichischen Gesellschaft für Nuklearmedizin bei Schulkindern in Feldkirch, Klagenfurt und Graz ergeben, dass deren Jodversorgung lediglich im unteren Normalbereich lag. 

Obwohl die WHO für Schwangere eine Jodaufnahme von 250 bis 300 μg pro Tag empfiehlt, ist belegt, dass diese Werte in Österreich nicht erreicht werden. Daher ist eine zusätzliche Gabe von Jodpräparaten bereits in der Frühschwangerschaft zu empfehlen. 

Darüber hinaus trägt eine jodreiche Ernährung zur Gesundheit der Schwangeren bei. Das wichtige Spurenelement ist vor allem enthalten in Milch, Milchprodukten, Seefisch, Meeresfrüchten und in jodhaltigem Mineralwasser.