Für den Durchblick im Dschungel der Fachbegriffe

Neun Monate Schwangerschaft und die Geburt bedeuten für die Eltern Veränderungen am laufenden Band. Nichts bleibt so wie es ist. Soweit, so gut – soweit, so bekannt. Doch für einige Paare beginnt das Abenteuer schon viel früher. Erfüllt sich der Kinderwunsch nämlich nicht „von selbst“, gilt es, sich mit dem Thema Fortpflanzung konkret auseinanderzusetzen. Für die meisten eine neue Welt voller medizinischer Fachbegriffe. Eine vermeintliche Geheimsprache, bei der ihr nicht so einfach Untertitel hinzufügen könnt wie bei einem fremdsprachigen Film. Damit dieses Verlangen erst gar nicht aufkommt, gibt’s hier sozusagen Erste Hilfe: Eine einfache Erklärung für die fünf wichtigsten Begriffe in Sachen Kinderwunsch.

Die Grundlegende: Die Künstliche Befruchtung (IVF)

Unter künstlicher Befruchtung sind allgemein jegliche Verfahren gemeint, bei denen eine Schwangerschaft nicht durch Geschlechtsverkehr entsteht. Der lateinische Begriff In-Vitro-Fertilisation (IVF) heißt so viel wie Befruchtung im Glas und bezeichnet die künstliche Befruchtung außerhalb des weiblichen Körpers. Das bedeutet, Eizellen werden aus den Eierstöcken entnommen und im Labor mit den männlichen Samenzellen zusammengeführt. Entwickelt sich die befruchtete Zelle dann weiter, wird der so entstandene Embryo in die Gebärmutter eingesetzt. Nistet er sich dort ein, ist die Frau schwanger.

Seit der Geburt des ersten „IVF-Wunschkindes" Louise Brown in England 1978 wurde die Methode ständig weiterentwickelt. Robert Edwards, der sie gemeinsam mit Patrick Steptoe entwickelte, erhielt dafür 2010 den Nobelpreis für Medizin. Heutzutage ist die In-Vitro-Fertilisation die wohl am häufigsten angewandte Methode der Reproduktionsmedizin. Auf sie wird beispielsweise bei Eileiterverschluss der Frau zurückgegriffen oder wenn der Mann in seiner Zeugungsfähigkeit stark eingeschränkt ist.

IVF: Eizellen und Samenzellen werden im Labor zusammengeführt

Die Punktgenaue: Die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)

Während die Spermien bei der In-Vitro-Fertilisation ihren Weg in die Eizellen sozusagen „alleine“ finden, bekommen sie bei der Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion, kurz ICSI, etwas Hilfe. Sie werden mit einer feinen Pipette direkt in die Eizelle eingespritzt. Die restliche Behandlung verläuft so wie bei der IVF.

Zur Anwendung kommt das Verfahren, wenn die Spermienqualität deutlich eingeschränkt ist, also beispielsweise zu wenig Samenzellen vorhanden sind. Durch die direkte Injektion der Samenzelle in die Eizelle wird die Befruchtung nämlich sichergestellt. Eine Garantie dafür, dass sich die befruchtete Eizelle anschließend weiterentwickelt, gibt es aber nicht.

Der Zusätzliche: Der Kryotransfer

Werden bei einer künstlichen Befruchtung zu viele Eizellen gewonnen, können sie eingefroren werden. In Fachkreisen spricht man dann von „kryokonserviert“. Wenn die Eizellen zu einem späteren Zeitpunkt aufgetaut und nach einer ersten Zellteilung durch IVF oder ICSI der Mutter in spe eingesetzt werden, bezeichnet man den Vorgang als Kryotransfer.

Damit sich die Embryonen in der neuen Umgebung zuhause fühlen, sich also einnisten und weiterentwickeln, muss die Gebärmutterschleimhaut entsprechend vorbereitet werden. Dafür braucht es eine hormonelle Vorbereitung, immerhin müssen die Entwicklung des Embryos und die Entwicklung der Schleimhaut zusammenpassen. Allzu verständlich, denn wer bezieht schon eine neue Unterkunft, die den eigenen Bedürfnissen nicht entspricht? Nach einem solchen Transfer kann sich Frau übrigens wie gewohnt verhalten, den Embryonen schadet eine normale Aktivität nicht.

Die Ausschlaggebende: Die Blastozyste

Nicht erst mit der Einnistung in der Gebärmutterschleimhaut, sondern schon auf dem Weg dorthin, entwickelt sich die Eizelle stetig weiter. Alle zwölf Stunden teilt sie sich und ernährt sich dabei von der äußeren Zellschicht. Dieses flotte Vorgehen sorgt dafür, dass der Keim am dritten Tag nach der Befruchtung zwar nur den Bruchteil eines Millimeters groß ist, aber schon aus 32 Zellen besteht und als Blastozyste gilt.

Die Blastozyste könnt ihr euch als eine mit Flüssigkeit gefüllte Blase vorstellen, in der sich eine winzige Zellmasse befindet. In dieser herrscht übrigens Arbeitsteilung: Während die eine Hälfte der Zellen dafür verantwortlich ist, den späteren Embryo zu ernähren und sich dadurch zur Plazenta entwickelt, wandelt sich die andere Hälfte zum Embryo selbst.

Das Männliche: Das Spermiogramm

Beim Spermiogramm handelt es sich um eine Untersuchung des Spermas. Damit wird die Zeugungsfähigkeit des Mannes beurteilt. Ein Spermiogramm wird dann erstellt, wenn der Verdacht besteht, der Mann könnte unfruchtbar sein.

Fällt die Entscheidung für ein Spermiogramm, wird das männliche Sperma meist direkt vor Ort in der Praxis oder Klinik durch Masturbation gewonnen. Natürlich wird die Privatsphäre dabei großgeschrieben und ein eigener Raum steht bereit. Nach maximal einer Stunde muss die Probe das Labor erreichen, wo sie mikroskopisch beurteilt wird. Das Spermiogramm gibt Auskunft über Anzahl, Form und Beweglichkeit der Spermien im Ejakulat (Sperma). Außerdem können ph-Wert, Zuckerwert, Zähflüssigkeit und Bakterienbesiedlung der Samenflüssigkeit bestimmt werden. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollte das Spermiogramm mindestens 15 Millionen Spermien pro Milliliter ergeben. Letztendlich genügen aber auch weniger, rein theoretisch wird ja überhaupt nur eines gebraucht.

Mittels Spermiogramm wird die männliche Zeugungsfähigkeit beurteilt.

Mit diesen simplen Erläuterungen seid ihr für den Fachbegriffs-Dschungel bestens gerüstet. Und solltet ihr irgendwann dennoch vor einem großen Rätsel stehen, gilt: einfach nachfragen! Das Team der Kinderwunsch-Clinic Dr. Zech kennt die Antworten und teilt sie gerne mit euch!

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