Geschichte der IVF (In-vitro-Fertilisation)

Unfruchtbarkeit wurde in der Geschichte der Menschheit lange als Schicksal beschrieben, etwas, das Mann und Frau hinnehmen mussten. Gott stellt einen auf die Probe, hieß es selbst noch vor wenigen Jahrzehnten. Dass Unfruchtbarkeit möglicherweise ein zu lösendes medizinisches Problem sein könnte, wagten selbst mutige Wissenschaftler kaum anzusprechen. Trotz aller Vorurteile bemühen sich Mediziner seit über 200 Jahren kinderlosen Paaren zum Familienglück zu verhelfen. 

1827 entdeckten Wissenschaftler zum ersten Mal Eizellen in weiblichen Körpern. 1677 war bereits das Spermium entdeckt worden. Aber erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Wissenschaftlern klar, dass Schwangerschaften durch das Aufeinandertreffen von Spermien und Eizellen entstanden. Bis dahin galten Schwangerschaften als großes biologisches Rätsel.   

Kurz nach der Entdeckung der Eizelle gelang einem Arzt namens Dr. Martin Sims im Frauenkrankenhaus von New York eine intrauterine Befruchtung. Über den weiblichen Zyklus war damals noch nichts bekannt. So war es nicht verwunderlich, dass Dr. Sims 55 Versuche starten musste, bis er schließlich eine Schwangerschaft initiieren konnte. Die künstlich eingeleitete Schwangerschaft endete allerdings kurz darauf in einer Fehlgeburt.   

1884 führte William Pancoast in Philadelphia die erste Insemination mit Hilfe einer Samenspende durch. Als Spender diente ein Student, der zuvor von seinen Kommilitonen dafür ausgesucht wurde. Er galt als der Hübscheste unter ihnen. Weder die behandelnde Frau noch ihr Ehemann wussten etwas von dieser Spende. Erst 25 Jahre später erfuhren die beiden aufgrund eines medizinischen Fachartikels, dass ihr Kind einen anderen biologischen Vater hatte. Solch ein unethisches Forscherverhalten ist heutzutage undenkbar. Damals wurde es noch mit einem Schulterzucken hingenommen.   

Der Beginn des 20. Jahrhundert war gekennzeichnet von intensiven Forschungen über das Zusammenspiel der Hormone Progesteron, Estrogen und Testosteron und ihren Funktionen bezüglich der Fruchtbarkeit. 1934 schrieb der Wissenschaftler Gregory Pincus von der Harvard Universität in der Zeitung "Proceedings of the National Academy of Sciences in the USA", dass er eine künstliche Befruchtung auch beim Menschen für möglich halte. Er hatte zahlreiche erfolgreiche Versuche mit Eizellen von Hasen durchgeführt. Seine Kollegin Miriam Menken begann zusammen mit Dr. John Rock, an Methoden der In-vitro-Fertilisation beim Menschen zu forschen. Sie griffen für ihre Versuche dabei vor allem auf Eizellen von Frauen zurück, die sie diesen während Operationen entnehmen durften, die aus sehr unterschiedlichen Gründen durchgeführt wurden. Über 800 Versuche sind in wissenschaftlichen Zeitschriften dokumentiert. 

1975 berichteten Robert Edwards und Patrick Steptoe in England von der ersten erfolgreichen IVF-Befruchtung. Doch der Versuch endete in einer ektopischen Schwangerschaft. Drei Jahre später konnten sie dann aber schließlich einen weltbewegenden Erfolg vermelden. Mit Louise Joy Brown kam das erste Baby auf die Welt, das im Labor gezeugt wurde und dazu noch rundum gesund. Louise Joy sorgte wochenlang für Schlagzeilen, bis in die entlegensten Regionen der Weltkugel.   

Australien war das zweite Land, das eine IVF Geburt verkünden konnte. 1982 kam in Erlangen das erste deutsche Baby zu Welt, das in vitro gezeugt wurde. 1990 verabschiedete der Deutsche Bundestag das erste Embryonenschutzgesetz. Damit wurde auch hierzulande ein gesetzlicher Rahmen für die In-vitro-Fertilisation geschaffen.   

Die Entwicklung des IVF ist in den vergangenen drei Jahrzehnten dramatisch vorangeschritten. Eizellen können nun vaginal gewonnen werden und nicht mehr mühselig über Latroskopie. Die intracytroplasmische Injektion von Spermien (ICSI) ermöglicht es seit 1991 auch Männern mit niedriger Spermienanzahl Vater zu werden. Eizellen und Embyronen können inzwischen länger aufbewahrt werden. Die Untersuchungsmethoden bezüglich möglicher Gendeffekte von Embryos sind ausgefeilter geworden. Weitere dramatische wissenschaftliche Fortschritte führten zu höheren Schwangerschaftsraten und weniger Mehrlingsschwangerschaften sowie Fehlgeburten.  Aktuelle Untersuchungen bemühen sich, das Next-Generation-Screening für die genetische Präimplantations-Diagnostik weiter zu verbessern. Das ermöglicht vor allem Eltern mit einer möglichen Prädisposition für genetische Krankheiten ein Screening nach genetischen Auffälligkeiten noch vor der Implantation.   

Die Forschung über In-vitro-Fertlisation hat sich zu einer hochmodernen und technologisierten Wissenschaft entwickelt. Trotz aller Technologie bleibt es aber nach wie vor die Mission der Wissenschaftler, Paaren mit bisher unerfülltem Kinderwunsch zu Nachwuchs zu verhelfen. 

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