Ist trotz Herzkrankheit eine künstliche Befruchtung möglich?

Ein unerfüllter Kinderwunsch ist für viele Paare eine enorme Belastung. Eine gesunde Patientin hat im Allgemeinen eine gute Chance, durch eine künstliche Befruchtung schwanger zu werden. Aber wie sieht es aus, wenn eine Frau unter Herzbeschwerden leidet? Mit welchen Problemen ist in einer Schwangerschaft zu rechnen, wenn das Herz angegriffen ist oder wenn sogar eine chronische Herzkrankheit festgestellt wurde? Prinzipiell schließen sich eine Herzkrankheit und eine künstliche Befruchtung nicht aus. Die Patientin sollte von ihrem Arzt aber engmaschig untersucht werden, um Risiken frühzeitig zu erkennen.   

Herzbeschwerden treten nicht erst im Alter auf. Auch jüngere Frauen können bereits unter einer Herzschwäche leiden. Manchmal ist ein angeborener Herzklappenfehler der Grund für eine Schwäche des Herzmuskels. Vielleicht hat die Patientin die defekte Herzklappe in einer Operation ersetzen lassen. In diesem Fall kann sich das Herz wieder stabilisieren und seine Funktion voll erfüllen. Trotzdem müssen nach einem solchen Eingriff sehr lange Medikamente genommen werden.   

Wenn sich eine junge Frau mit einer Herzschwäche für eine künstliche Befruchtung entscheidet, sollte sie sich darüber im Klaren sein, dass sie ein erhöhtes Risiko für ihre eigene Gesundheit trägt. Auch die Gesundheit ihres Kindes kann grundsätzlich in Mitleidenschaft gezogen werden. Häufig ist es schwer, die Belastbarkeit des eigenen Herzens objektiv einzuschätzen. Deshalb informieren viele Mediziner ihre Patientinnen über mögliche Symptome der Überanstrengung, um so die korrekte Selbsteinschätzung zu erleichtern.  

Wenn es Ihnen gelingt, ohne größere Beschwerden wie Schwindel, Luftnot oder ein beengendes Gefühl in der Brust eine gut gefüllte Einkaufstasche zu tragen oder wenn Sie Treppen steigen, ohne bei zwei oder drei Etagen ähnliche Beschwerden zu bekommen, wird Ihr Körper wohl eine künstliche Befruchtung und eine Schwangerschaft verkraften. Sofern Sie durch Ihre Herzkrankheit im Alltag also nicht zu sehr eingeschränkt sind, dürfte einer künstlichen Befruchtung nichts entgegenstehen.   

Allerdings müssen Sie damit rechnen, dass sich Ihre Medikation verändert. Sie muss gemäß Ihres Kinderwunschs, in der Zeit vor der künstlichen Befruchtung und während der Schwangerschaft, auf Ihren Körper zugeschnitten sein. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, wenn Sie sich vor der geplanten Befruchtung genau mit Ihrem Herzspezialisten abstimmen. Er kann die verordneten Medikamente so anpassen, dass sie für die Gesundheit Ihres Kindes nicht schädlich sind.   

Sollten Sie sich als Herzpatientin für eine künstliche Befruchtung entscheiden, binden Sie unbedingt Ihren Kardiologen rechtzeitig ein. Er sollte über Ihre Schritte informiert sein und Sie während dieser spannenden Phase eng überwachen. Es kann sehr sinnvoll sein, wenn sich Ihr Herzspezialist mit Ihrem Frauenarzt zur Behandlung abstimmt. Dadurch ist es für beide Mediziner leichter, bei auftretenden Beschwerden umgehend zu reagieren.   

In der Regel gelten Herzpatientinnen als Risikoschwangere. Das mag Sie im ersten Augenblick erschrecken, ist allerdings kein Grund zur Sorge. Auch ältere Patientinnen oder Patientinnen mit einer Fehlgeburt zählen zu den Risikopatientinnen. Sie werden von Ihrem behandelnden Frauenarzt in der Schwangerschaft lediglich häufiger zu einem Termin gebeten und besonders intensiv überwacht. Sofern Sie sich an die Anweisungen Ihres Arztes halten und sich in der Schwangerschaft schonen, können Sie grundsätzlich eine Behandlung der künstlichen Befruchtung in Anspruch nehmen.

Eine Schwangerschaft ist für den gesamten Körper eine Belastung. So schön die Zeit der „guten Hoffnung" ist, so sehr müssen Sie sich vergegenwärtigen, welche zusätzliche Belastung Ihr Organismus und vor allem Ihr Herz in dieser Zeit ertragen muss. In den neun Monaten wird sich Ihr Körpergewicht um ca. 10 bis 20 Kilogramm erhöhen. Dadurch wird das Herz mehr belastet. Ihr Blutdruck steigt und schon im Ruhezustand muss Ihr Herz mehr Blut durch Ihren Körper pumpen. Es leistet Schwerstarbeit, denn es muss nun Ihren Körper und den Körper Ihres Babys versorgen.   

Nach der Schwangerschaft sind das Stillen und die erste Zeit mit Ihrem Baby sehr anstrengend, wodurch Ihr Herz zusätzlich belastet werden könnte. Gerade deshalb ist es wichtig, dass Sie nach einer erfolgreichen künstlichen Befruchtung alle angebotenen Vorsorgeuntersuchungen Ihres Frauenarztes in Anspruch nehmen. Als Risikopatientin stehen Ihnen im Vergleich zu einer Patientin mit einem durchschnittlichen Risiko zusätzliche Untersuchungen zu. Auch diese sollten Sie nutzen. So wird zum Beispiel bei jeder Untersuchung die Größe des Babys mithilfe des Ultraschalls kontrolliert.   

Es ist also auch bei einer Herzkrankheit möglich, eine künstliche Befruchtung vornehmen zu lassen und ein gesundes Baby zu bekommen. Bei guter Betreuung durch Ihren Arzt steht der Erfüllung Ihres Kinderwunschs durch die moderne Reproduktionsmedizin im Prinzip nichts im Weg. 

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