Querschnittsgelähmt – Wie kann man mit der Elektroejakulation Kinder bekommen?

Eine Querschnittslähmung ist sowohl für die Betroffenen als auch für ihre Familien eine große Herausforderung. Die Einschränkung der Beweglichkeit hat nicht nur im Alltag negative Folgen, sondern behindert in vielen Fällen ebenfalls die Sexualfunktion. Aus diesem Grund beklagen zahlreiche österreichische Männer aufgrund ihrer Verletzung einen unerfüllten Kinderwunsch. 
Dank moderner medizinischer Verfahren ist es heute jedoch auch mit starken Beeinträchtigungen möglich, ein Kind zu zeugen. Mit den richtigen Hilfsmitteln können die Probleme bei der Erektion, Ejakulation und dem Erreichen eines Orgasmus gezielt vermieden werden. 
Deshalb erfahren Sie in diesem Artikel, wie querschnittsgelähmte Männer trotz ihrer Verletzung Kinder bekommen können und wie Sie eine Elektroejakulation dabei unterstützt. 

Rückenmarksverletzungen stören die Ejakulation 

Das Zeugen eines Kindes ist ein komplexer biologischer Vorgang. Zu einer erfolgreichen Schwangerschaft kommt es nur dann, wenn sowohl beim Mann als auch bei der Frau die hormonellen und physiologischen Voraussetzungen erfüllt werden. Dabei ist der Hormonhaushalt bei einer Querschnittslähmung in der Regel nicht das Problem. 
Obwohl Libido und Samenproduktion oftmals vollkommen intakt sind, gelingt es den Betroffenen nicht, eine Ejakulation auszulösen. Der Samenerguss erfolgt schließlich nur dann, wenn unterschiedliche Nerven perfekt zusammenspielen. Häufig ist ihre Funktionalität aber aufgrund der Verletzung des Rückenmarks stark eingeschränkt. 
Aus diesem Grund ejakulieren viele betroffene Österreicher nur wenige Tropfen oder erreichen nicht einmal einen Orgasmus. Zudem birgt der Geschlechtsverkehr für die Männer eine ernste Gefahr. Ohne das Zusammenspiel der richtigen Nerven kann ein Orgasmus schnell zu einer retrograden Ejakulation führen. 
Hierbei fließt das abgegebene Sperma rückläufig in die Harnblase und verstopft diese von innen. Dadurch entstehen neben starken Schmerzen ebenfalls schwere Entzündungen, die zu ernsten Infektionen führen können. Außerdem sind gerade einmal 55 Prozent aller betroffenen Österreicher in der Lage, beim Masturbieren oder beim Geschlechtsverkehr zu ejakulieren. 
Dennoch ist ein Kinderwunsch für die Verletzten nicht vergebens. Zahlreiche Techniken und Hilfsmittel haben sich als äußerst effektiv erwiesen, um die benötigten Samen zu gewinnen. 

Die Elektroejakulation 

Bei der Elektroejakulation handelt es sich um ein Verfahren, das von dem amerikanischen Arzt Dr. Stephen W. J. Seager entwickelt wurde. Es zählt bis heute zu den erfolgreichsten und effektivsten Methoden, um bei einem querschnittsgelähmten Mann einen Orgasmus auszulösen. Dabei erzielt insbesondere die transrektale Elektroejakulation ausgezeichnete Ergebnisse. 

Diese Form der Elektroejakulation macht sich die hohe Stimulierbarkeit der männlichen Prostata zunutze. Bei diesem Vorgang wird in den After des Betroffenen ein elektrisches Gerät eingeführt, das sich verstärkende Impulse in die jeweiligen Körperregionen entsendet. Die eingeführte Sonde stimuliert das rektale Lustzentrum direkt, um zunehmend Spannung im Unterleib aufzubauen. 

Für diesen Zweck werden immer intensiver werdende Impulse in die Beckenmuskulatur entsendet. Daraufhin kommt es zu einer Kontraktion der jeweiligen Muskelstränge. Die daraus resultierende Anspannung endet schließlich in einer Erektion des Penis sowie in einer erfolgreichen Ejakulation. Die Dauer des Eingriffs ist in jedem Fall unterschiedlich. Während einige Männer bereits nach wenigen Sekunden einen Orgasmus erleben, stellt er sich in vielen Fällen erst nach mehreren Minuten ein. Aus diesem Grund erhöht der Arzt die Intensität der rektalen Stimulation mit jedem Spannungszyklus. 

Sobald die Sperma-Probe gewonnen wurde, kann sie im Labor aufbereitet und für die unterschiedlichen Befruchtungsmethoden eingesetzt werden. Grundsätzlich ist somit sowohl eine IUI, IVF als auch eine ICSI problemlos möglich.
In Österreich erfolgt der gesamte Eingriff stets unter Regionalanästhesie. Stellt sich selbst nach mehreren Minuten keine Ejakulation ein, wird die Stimulation unter Narkose fortgesetzt. 


Welche Erfolgsrate hat die Elektroejakulation? 

Die Erfolgsaussichten der Elektroejakulation wurden bereits in zahlreichen Studien ausführlich untersucht. Sämtliche klinischen Untersuchungen bestätigten, dass durch dieses Verfahren brauchbare Samen-Proben gewonnen werden können. 
An der Universität Michigan wurde diesbezüglich sogar eine großangelegte Studie mit 198 Männern durchgeführt. Die Ärzte konnten bereits nach einem Eingriff von 75 Prozent aller Querschnittsgelähmten Spermien in ausreichender Qualität gewinnen. Dadurch konnten sich insgesamt über zwei Drittel der Männer anschließend über eine erfolgreiche Befruchtung freuen. 
Auf diese Weise wurden im Rahmen der Studie 35 gesunde Kinder gezeugt und wohlbehalten auf die Welt gebracht. Entsprechend stellt die Elektroejakulation für alle querschnittsgelähmten Österreicher eine wirksame Methode mit hohen Erfolgsaussichten dar. 

Quellen: 
https://www.urologielehrbuch.de/infertilitaet_03.html 
https://www.babywunsch.com/querschnittslaehmung-und-kinderwunsch-elektroejakulation-bringt-erfolge/ 
https://de.wikipedia.org/wiki/Elektroejakulation

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