Flugreisen während der Schwangerschaft - bedenklich oder nicht?

Der Schwangerschaftstest ist endlich positiv, die Vorfreude groß – aber der Jahresurlaub steht noch an und so eine Auszeit vor dem größten Abenteuer des Lebens ist auch nicht zu verachten. Kein Wunder also, dass sich viele Paare zum Babymoon entschließen – einem entspannten Urlaub in trauter Zweisamkeit, bevor sich vorerst alles um den neuen Erdenbürger dreht. Sofern keine Risikoschwangerschaft vorliegt und die Schwangerschaft normal verläuft, spricht auch überhaupt nichts dagegen. 

Ein grundsätzliches Flugverbot gilt nur in wenigen Fällen. Darunter fallen Mehrlingsschwangerschaften sowie Schwangere mit der Diagnose chronischer Herz- und Lungenerkrankungen, Placenta praevia oder Präeklampsie. Auch eine Thombophilie (Neigung zu Blutgerinnseln) und Hämoglobinopathien (Hämoglobie-Störungen) sprechen gegen einen Flug – vor allem in der Schwangerschaft.   

In jedem Fall sinnvoll erscheint es, die Flugreise mit dem betreuenden Gynäkologen im Vorfeld zu besprechen. Der Arzt kann auf individuelle Risiken hinweisen und individuelle Empfehlen zum Wohlbefinden und zur Gesundheit während der Reise geben. 

Wer gegen Ende des dritten Trimesters fliegen will, benötigt oftmals das von Arzt oder Hebamme ausgefüllte „Flugtauglichkeitsformular für Schwangere". Diese Bescheinigung muss beim Besteigen des Flugzeugs bei vielen Airlines vorgezeigt werden. Jede Airline informiert selbst darüber, ob und wann sie erforderlich ist.   

Eine Flugreise in der Schwangerschaft kann grundsätzlich anstrengender sein als sonst. Im ersten Trimester haben Schwangere vor allem mit Übelkeit, Kreislaufproblemen und erhöhtem Harndrang zu kämpfen. Abhilfe schaffen lockere und bequeme Kleidung, ausreichend Zeit für Transfers, regelmäßiges Trinken und ein Gangplatz in Toilettennähe. 

Im zweiten Trimester fühlen sich die meisten Schwangeren sehr wohl: Die Übelkeit ist meist verschwunden, der Organismus hat sich an die Schwangerschaft angepasst, der Bauch ist noch nicht zu groß. Der perfekte Zeitraum also für entspannte Flugreisen ohne Einschränkungen.   

Im dritten Trimester rückt die Geburt näher. Reisen werden zunehmend beschwerlicher. Jetzt wächst nicht nur der Bauch und wird im Alltag störend – auch typische Schwangerschaftsbeschwerden, wie Wasser in den Beinen, Schwangerschaftsdiabetes oder Symphysenschmerzen können auftreten. Zudem wächst das Risiko einsetzender Wehen mit jeder Schwangerschaftswoche.   

Im dritten Trimester sollten Schwangere die Risiken und Vorteile einer Flugreise genau abwägen. Ist die Schwangerschaft bisher komplikationsfrei verlaufen, spricht auch jetzt nichts gegen einen Flug in die Sonne. Wichtig ist lediglich, dass auf lockere Kleidung geachtet wird, ein Sitz mit möglichst viel Beinfreiheit gewählt wird und die Damen so entspannt wie möglich reisen. 

Besteht das Risiko einer Frühgeburt, treten Blutungen oder erste Wehen auf, raten Gynäkologen häufig von einer Flugreise ab. Zu groß ist das Risiko, auf dem Flug von Wehen oder einer Frühgeburt überrascht zu werden. Da die Versorgung von Mutter und Kind dann meist nicht gewährleistet werden kann, treffen die meisten Airlines Vorkehrungen in Form von Beförderungsvorschriften.   

In ihren Vorgaben orientieren sich die Airlines in der Regel am medizinischen Handbuch der IATA. Das erlaubt Flüge in der Schwangerschaft in jedem Fall bis zur 28. Schwangerschaftswoche. Ab der 28. Woche empfiehlt das Handbuch Reisen nur noch nach ärztlichem Rat bzw. Rat der betreuenden Hebamme.   

In der Folge können Schwangere bis zur 28. Schwangerschaftswoche in der Regel problemlos und ohne ärztliches Attest (Flugtauglichkeitsformular) fliegen. Danach entscheidet jeder Anbieter individuell. Während die eine Airline Schwangere nur bis zur 32. Woche fliegen lässt, transportieren andere Airlines werdende Mütter bis zur 36. Schwangerschaftswoche. 

Ob erstes, zweites oder drittes Trimester: In vielen Fällen erfahren Schwangere auf Flugreisen eine kleine Sonderbehandlung. Die Flugbegleiter sind meist besonders aufmerksam, einige Airlines erlauben schwangeren Passagierinnen sogar ein Priority Boarding ohne Aufpreis. Bei Bedarf erhalten Schwangere eine Gurtverlängerung, um sich anschnallen zu können. 

Eine allgemeine Gurtpflicht auf nationalen und internationalen Flügen gibt es zwar nicht – einige Airlines haben sie jedoch in Eigeninitiative eingeführt. Der Gurt muss nicht nur bei Start und Landung, sondern während des gesamtes Fluges geschlossen bleiben. Für Schwangere gilt die Gurtpflicht wie für alle anderen Passagiere. Zu beachten ist, dass der Gurt nicht über dem Bauch, sondern darunter auf dem Becken liegt – das ist nicht nur sicherer, sondern auch bequemer. 

Für einen möglichst angenehmen Flug empfehlen Ärzte, Hebammen und Flugexperten neben bequemer Kleidung und bequemen Schuhen vor allem das Tragen von Stützstrümpfen. Sie verhindern Wassereinlagerungen und Thrombosen während des Fluges und sollten am besten gleich morgens angezogen werden. Regelmäßiges Trinken stabilisiert den Kreislauf, ein leichtes Tuch schützt vor Zugluft und Erkältungen.

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