Seminalplasmaspülung – Was ist das?

Eine Fruchtbarkeitsbehandlung ist für so manches Paar die einzige Chance, ein leibliches Kind zu bekommen. Ein besonders wichtiger Augenblick bei dieser Methode, eine Schwangerschaft entstehen zu lassen, ist die Einnistung, an der leider viele Behandlungen scheitern. 

Bei der Einnistung muss der Embryo Kontakt zur Gebärmutterschleimhaut aufnehmen, die dafür in einem besonderen Zustand sein muss. Weil immer wieder Behandlungen an der Einnistung scheitern, ist es vielen Ärzten ein besonderes Anliegen, die Erfolgschancen der Einnistung zu optimieren. 

Liegt ein wiederholtes Einnistversagen vor – wurden im Rahmen der künstlichen Befruchtung also mehrfach Embryonen eingesetzt, ohne dass eine Schwangerschaft eingetreten ist –, gibt es eine Vielzahl von Methoden, um die Wahrscheinlichkeit einer Einnistung zu erhöhen. 

Diese Methoden – darunter auch die Seminalplasmaspülung, um die es im Folgenden gehen soll – zielen nicht selten darauf ab, das Milieu in der Gebärmutter zu verbessern. Auf diese Art und Weise kann auch noch bei Paaren, die bereits mehrere vergebliche Versuche hinter sich haben, eine Schwangerschaft erzielt werden. 

Bereits seit längerer Zeit gibt es die Idee, dass der Kontakt des weiblichen Genitaltrakts mit dem Ejakulat – also mit dem, was übrig bleibt, wenn die Spermien entfernt werden – einen vielversprechenden Einfluss auf die Einnistung haben könnte. Denn dieses sogenannte Seminalplasma fördert die mütterliche Immunantwort. 

Als Seminalplasma bezeichnet man im Allgemeinen den neben den Spermien zweiten Grundbestandteil des männlichen Ejakulats, der in Form einer Flüssigkeit aus Sekreten der sogenannten akzessorischen Geschlechtsdrüsen, also aus den Hoden, den Nebenhoden, der Samenblasendrüse, der Samenleiterampulle und der Bulbourethraldrüse besteht. 

Das Seminalplasma fördert – wie bereits erwähnt – die mütterliche Immunantwort. Außerdem bewirkt es eine Immuntoleranz gegenüber dem Embryo, so dass dieser als „körpereigen“ anerkannt, also nicht wieder abgestoßen, wird. Ebenso verursacht das Seminalplasma sowohl zelluläre als auch molekulare Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut. 


Die Wirkung des Seminalplasmas ist daher essenziell für die Einnistung und Weiterentwicklung des Embryos. Beim männlichen Ejakulat macht es mit 90 Prozent den größten Anteil aus. Der Anteil der Spermien ist mit 10 Prozent wesentlich geringer. 

Das Seminalplasma besteht zu 75 Prozent aus Samenblasensekret und zu 25 Prozent aus Prostatasekret. Neben vielen verschiedenen Proteinen, die für das alkalische Milieu des männlichen Spermas verantwortlich sind, enthält es auch den Fruchtzucker Fruktose, der den Spermien Energie liefert. 

Enzyme im Prostatasekret des Seminalplasmas sorgen dafür, dass das männliche Ejakulat flüssig ist. Ebenfalls im Prostatasekret enthalten ist Spermin – ein Wirkstoff, der die Reifung und Beweglichkeit der Spermien unterstützt. Es ist daher nicht von der Hand zu weisen, dass das Seminalplasma sich positiv auf die Entstehung einer Schwangerschaft auswirken kann. 

Wird auf natürlichem Wege ein Kind gezeugt, kommt die Gebärmutterschleimhaut automatisch mit den Wirkstoffen, die im Seminalplasma des Mannes enthalten sind, in Berührung. Bei der künstlichen Befruchtung ist dies jedoch nicht der Fall, was die Chancen auf eine Schwangerschaft unter Umständen verringern kann. 

Untersuchungen belegen, dass die Einnistungsrate des Embryos durch eine Seminalplasmaspülung erhöht werden kann. Dabei wird aufgereinigtes Seminalplasma, also männliches Ejakulat ohne Spermien, direkt im Anschluss an die Eizellentnahme in die Scheide und den Gebärmutterhals gespritzt. 


Sind zwei oder mehr Versuche einer Fruchtbarkeitsbehandlung trotz Einsetzen „guter“ Embryonen erfolglos verlaufen, kann eine Seminalplasmaspülung die Chancen auf eine Einnistung und damit eine Schwangerschaft erhöhen. Denn Wissenschaftler vermuten einen aktiven Einfluss des Seminalplasmas auf die Befruchtung. 

Untersuchungen zufolge fehlt bei der Reagenzglasbefruchtung der Kontakt mit dem Ejakulat – und damit die positiven, fruchtbarkeitsverstärkenden Effekte, die damit einhergehen. Eine Studie aus Heidelberg zur Wirksamkeit der Seminalplasmaspülung verweist gar auf eine Erhöhung der Schwangerschaftsrate um 11,6 Prozent. 

Aus diesem Grund empfiehlt das ärztliche Team um Dr. Josef Zech der Kinderwunsch-Clinic in Innsbruck insbesondere bei Frauen mit zwei oder mehr fehlgeschlagenen Einnistungen die Seminalplasmaspülung. Denn auf ihrer Basis kann ihr Kinderwunsch vielleicht doch noch in Erfüllung gehen. 


Quellen: 
- https://www.sterilitaet.at/in-vitro-fertilisation/spezielle-methoden/seminalplasmaspuelung-im-gynandron/ 
- https://medium.com/@kinderwunsch/verbessert-seminalplasmasp%C3%BClung-die-einnistung-bei-ivf-und-icsi-782616cd19ed 
- https://de.wikipedia.org/wiki/Seminalplasma

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