Die Reise der Samenzellen bis zur Ankunft in der Eizelle und was Maiglöckchenduft damit zu tun hat


Der Weg der Spermien vom Samenerguss (Ejakulation) bis zur Befruchtung der Eizelle wird durch verschiedene Mechanismen unterstützt, die ihre Reise durch den weiblichen Reproduktionstrakt erleichtern. Diese Mechanismen sind sowohl biologischer als auch chemischer Natur und schaffen die optimalen Bedingungen für die Spermien, um ihr Ziel zu erreichen.

Hier sind einige der Schlüsselmechanismen näher erläutert:

  1. Mikrobiom der Scheide:  Als Mikrobiom bezeichnet man die natürliche Besiedelung der Scheide mit Bakterien, Pilzen und Viren. Dieses Thema ist vielfältig und wird in einem eigenen Blogartikel behandelt.  
     
  2. Zervixschleim: Während des Eisprungs wird der Zervixschleim flüssiger und klarer, was den Spermien erleichtert, durch den Gebärmutterhals in die Gebärmutter zu gelangen. Dieser Schleim dient als Transportmedium, welches die Spermienbewegung unterstützt. 
     
  3. Uteruskontraktionen: Nach der Ejakulation können Bewegungen der Gebärmuttermuskulatur dazu beitragen, die Spermien in Richtung der Eileiter zu transportieren, wo die Eizelle auf ihre Befruchtung wartet. Diese Kontraktionen können durch Prostaglandine im Sperma stimuliert werden. 
     
  4. Chemotaxis und Maiglöckchenduft: Chemotaxis bedeutet, dass Chemikalien die Beweglichkeit von Zellen beeinflussen können. Die Chemotaxis von Spermien ist ein hoch spezialisierter und komplexer Prozess, der die Befruchtungschancen erhöht, indem er die Spermien effizienter zur Eizelle leitet. Doch welche Bedeutung hat in diesem Zusammenhang nun das Maiglöckchen? 

    Die Vorstellung, dass Spermien die Eizelle "riechen" können, basiert auf der Entdeckung, dass Spermienzellen auf chemische Signale reagieren, die von der Eizelle ausgesendet werden. Diese chemischen Signale helfen den Spermien, die Richtung zur Eizelle zu finden. Eine oft zitierte Entdeckung in diesem Zusammenhang ist die Rolle des Moleküls Bourgeonal, das als Lockstoff für Spermien wirkt und ihnen hilft, die Eizelle zu finden. Bourgeonal wird mit dem Geruch von Maiglöckchen in Verbindung gebracht, was zu der populären Beschreibung geführt hat, dass die Eizelle nach Maiglöckchen "riecht". Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass dieser Vergleich mehr metaphorischer Natur ist. Spermien "riechen" die Eizelle nicht im herkömmlichen Sinne, wie Menschen Gerüche wahrnehmen, sondern reagieren vielmehr auf chemische Signale. 
  1. Thermotaxis: Spermien können auch auf Temperaturunterschiede im weiblichen Körper reagieren, wobei sie sich in Richtung der wärmeren Regionen bewegen, in denen die Eizelle wahrscheinlich zu finden ist. 
     
  2. Hyperaktivierung der Spermien: Während ihrer Reise durch den weiblichen Reproduktionstrakt unterlaufen die Spermien einen Prozess, der als Hyperaktivierung bekannt ist. Diese Veränderung in der Bewegung und der Energieproduktion hilft den Spermien, die Zona pellucida, eine gelartige Hülle, die die Eizelle umgibt, zu durchdringen. Es erfordert offensichtlich doch ziemlich viel Kraft und Energie, die Eizelle zu befruchten.  
     
  3. Akrosomreaktion: Sobald die Spermien die Eizelle erreichen, müssen sie durch die Eihülle (Zona pellucida) dringen, um zur Eizellmembran zu gelangen. Die Akrosomreaktion ist ein enzymatischer Prozess, bei dem das Akrosom, eine kappenförmige Struktur am Kopf des Spermiums, Enzyme freisetzt, die die Zona pellucida auflösen und es dem Spermium ermöglichen, in die Eizelle einzudringen. 
     
  4. Unterstützung durch weibliche Immunreaktion: Die weibliche Immunreaktion spielt ebenfalls eine Rolle, indem sie hilft, eine Umgebung zu schaffen, die für die Spermien weniger feindlich ist. Obwohl das Immunsystem potenziell fremde Zellen wie Spermien angreifen könnte, ermöglichen Mechanismen wie die Unterdrückung der Immunreaktion im weiblichen Reproduktionstrakt das Überleben und die Bewegung der Spermien. 
     

Diese Mechanismen arbeiten zusammen, um den Spermien zu helfen, die zahlreichen Herausforderungen auf ihrem Weg zur Eizelle zu überwinden und die Chance auf eine erfolgreiche Befruchtung zu erhöhen. 

Quellen & weiterführende Artikel


Blank, C. et al. (2020): Assessment of uterine activity during IVF by quantitative ultrasound imaging: a pilot study. Link: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32962927/  

Fanchin, R. & Ayoubi, J.M: (2009): Uterine dynamics: impact on the human reproduction process. Link: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19406033/  

Javedani Masroor, M. et al. (2023): The Effect of Uterine Contractions on Fertility Outcomes in Frozen Embryo Transfer Cycles: A Cohort Study. Link: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37547572/  

Galibert F. & Azzouzi N. (2023): Are the Olfactory Receptors Present at the Sperm Membrane Involved in Reproduction? Link: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37511035/  

Ruiz-Díaz, S. et al. (2023): Bull spermatozoa selected by thermotaxis exhibit high DNA integrity, specific head morphometry, and improve ICSI outcome. Link: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36627704/  

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