Die richtige Ernährung bei Endometriose und Kinderwunsch


Hunderttausende Frauen leiden in Österreich unter Endometriose und viele von ihnen auch an einer davon ausgelösten Unfruchtbarkeit. Dabei kann die richtige Ernährung bei Endometriose nicht nur Beschwerden lindern, sondern auch den Schwangerschaftseintritt fördern. 

Obwohl Endometriose nicht heilbar ist, kann eine gesunde Ernährung das allgemeine Wohlbefinden steigern, Symptome lindern und sich positiv auf die Fruchtbarkeit auswirken. Tatsächlich können einige Lebensmittel sogar das Risiko auf eine Endometriose-Erkrankung senken. Nachfolgend erfährst du, worauf du beim Zusammenstellen deines Speiseplans besonders achten solltest, wenn du unter Endometriose und einem unerfüllten Kinderwunsch leidest. 
 

Falsche Ernährung & Endometriose: Stärkere Beschwerden vermeiden

Experten gehen davon aus, dass ca. jede zehnte Frau von Endometriose betroffen ist – oftmals unerkannt. Endometriose äußert sich nämlich vor allem über starke Regelbeschwerden. Lange Zeit stellte die Menstruation ein Tabuthema dar, weshalb starke Beschwerden vielfach nicht ernst genommen wurden. Eine Vielzahl an Betroffenen will dies ändern und arbeitet seit Jahrzehnten daran, ein gesellschaftliches Bewusstsein für die Erkrankung zu etablieren. In diesem Zuge haben sich viele Vereinigungen gebildet, an die Betroffene sich wenden können, zum Beispiel EVA in Österreich. 

Trotzdem ist die Krankheit noch relativ wenig erforscht. Studien der letzten Jahre konnten allerdings nachweisen, dass sich die Beschwerden von Endometriose bei einem häufigen Konsum von rotem Fleisch und Wurstwaren erheblich verschlimmern. Auch Transfette (ungesättigte Fettsäuern, z.B. bei frittierten Speisen, Chips, Kekse, etc.), Koffein, Alkohol, zuckerhaltige Lebensmittel und Getränke sowie Fertiggerichte mit künstlichen Zutaten sollten vermieden werden – und zwar nicht nur bei Frauen mit Endometriose. Bei Kinderwunsch sollte generell darauf verzichtet werden, für die eigene Gesundheit und vor allem die des Kindes. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und frischem Obst kann zudem die eigene Fruchtbarkeit steigern und hat darüber hinaus den Vorteil, dass sowohl Mutter als auch Kind mit allen notwendigen Vitaminen und Nährstoffen versorgt werden, sodass eine Supplementierung nicht notwendig ist. 

Ernährungsempfehlungen bei Endometriose


Wir haben dir eine Liste an Lebensmitteln zusammengestellt, die für die Ernährung bei Endometriose und Kinderwunsch empfohlen werden. Sofern du keine Allergie oder Unverträglichkeit hast, sollte dein Speiseplan vorwiegend aus den folgenden Lebensmitteln bestehen. Nach der Liste findest du noch eine Erklärung, welche Nährstoffe in welchen Nahrungsmitteln enthalten sind und warum sich diese bei Endometriose positiv auswirken. 

Lebensmittel, die Endometriose-Beschwerden lindern können, sind: 

  • Frisches Obst und frisches Gemüse, besonders Spinat, Kartoffeln, Brokkoli, Tomaten, Beeren, Orangen, Bananen 

  • Weißes Fleisch wie Huhn oder Pute 

  • Meeresfische wie Lachs, Thunfisch, Sardellen, Sardinen und Schalentiere 

  • Sojaprodukte wie Tofu, Sojasprossen und -bohnen 

  • Vollkornprodukte 

  • Körner und Samen wie Sesam, Leinsamen, Sonnenblumenkerne 

  • Magnesiumhaltige Nahrungsmittel wie Reis, Mais und Haferflocken 

  • Kaltgepresste Öle wie Olivenöl, Rapsöl, Leinöl oder Fischöl 
     

Ungesättigte Fettsäuren, Vitamin C, E und A, Selen und Zink wirken entzündungshemmend und können bei Endometriose Schmerzen lindern. Du findest diese Nährstoffe besonders in Sesam, Leinsamen, Sonnenblumen- und Kürbiskernen, kaltgepressten Ölen, Geflügel, Meeresfische, frischem Obst und Gemüse. 

Magnesium sowie Vitamin C, E und B mildern Krämpfe und weitere Menstruationsbeschwerden. Gute Lieferanten dafür sind Vollkorngetreide, Obst, Gemüse, Schnittlauch, Petersilie, Samen, Olivenöl, Nüsse und Sojabohnen. 

Frisches Obst und Sojaprodukte wirken sich positiv auf den Hormonhaushalt aus und sollten deshalb besonders bei Endometriose und Kinderwunsch regelmäßig gegessen werden. Dafür eignet sich ein Verzehr von Sojasprossen, Sojabohnen, Tofu, Beeren, Orangen, Grapefruit und Melonen. 

Betroffene von Endometriose sollten demnach bei kleineren Mahlzeiten oder Snacks vor allem auf frisches Obst, Gemüse und Nüsse zurückgreifen. Größere Mahlzeiten bestehen im besten Fall aus Meeresfisch oder weißem Fleisch mit viel Gemüse und Hülsenfrüchten (am besten die oben genannten Sorten), abgerundet mit Kräutern und hochwertigen Ölen. Als Kohlenhydratquelle wird vor allem Vollkorn oder eine glutenfreie Ernährung empfohlen.  

 

Glutenfrei bei Endometriose

Österreichische Fachärzte haben herausgefunden, dass Frauen mit akuter Endometriose sehr häufig an einer Glutenunverträglichkeit leiden. Aus diesem Grund wird geraten, dass Betroffene lieber auf glutenfreie Lebensmittel zurückgreifen bzw. glutenhaltige Lebensmittel weitestgehend vermeiden sollten. 

Entsprechend ist es wichtig, sich vor dem Kauf eines Produktes ausführlich mit dessen Inhaltsstoffen zu beschäftigen. Nahezu alle Getreidesorten beinhalten Gluten: In Weizen, Gerste und Roggen ist besonders viel enthalten. Darüber hinaus stellen auch Hafer, Dinkel und Emmer ein großes Problem dar. Achte darauf, dass selbst Triticale, Kamut und Bulgur sowie manche Käsesorten Gluten enthalten. 

Für das Zusammenstellen des Speiseplans bedeutet das, dass du auf mehlhaltige Produkte, wie Brot, Pasta, Gebäck und Couscous, verzichten solltest. Weiterhin ist es ebenfalls sinnvoll, fermentierte Getränke und panierte Speisen zu meiden.

Anfangs kann es schwerfallen, eine Alternative zu diesen Lebensmitteln zu finden. Tatsächlich können glutenhaltige Zutaten aber sehr gut durch Reis und Mais (Polenta) ersetzt werden. Ferner eignen sich auch Tapioka und Buchweizen für eine schonende Ernährung. Nudeln können in Form von Zoodles (Zucchini-Nudeln) gut mit Gemüse ausgetauscht werden. Mittlerweile bieten aber viele Produzenten eine weitere hervorragende Alternative an: Nudeln aus Linsen-, Erbsen- und Kichererbsenmehl. 

Endometriose-Risiko senken mit Zitrusfrüchten

Ein hoher Konsum an Obst, insbesondere aber an Zitrusfrüchten, können das Endometriose-Risiko senken. Das konnte eine Forschergruppe aus den USA 2018 nachweisen, indem sie über einen Zeitraum von 22 Jahren mehr als 70.000 Frauen und ihre Essgewohnheiten beobachteten und analysierten. Bei 2.609 dieser Frauen wurde per Bauchspiegelung eine Endometriose nachgewiesen. 

Laut den Forschern liegt die risikosenkende Wirkung am Beta-Cryptoxanthin, das in Orangen, Grapefruits und anderen Zitrusfrüchten enthalten ist und eine Vorstufe von Vitamin A darstellt. Denn tatsächlich leiden Endometriose-Betroffene häufig an einem niedrigen Vitamin-A-Wert. Laut der Studie konnte das Endometriose-Risiko bei einer Ernährung mit täglicher Zufuhr des Beta-Cryptoxanthin um 22 Prozent gesenkt werden. 

Der Wirkstoff ist besonders enthalten in Orangen, Mandarinen, Mango, Pfirsichen, Papaya, Kaki, Physalis, Karotten, roter Paprika, Kürbis und Eigelb. Interessanterweise konnten die Forscher auch beobachten, dass ein Konsum von einer oder mehr Portionen Kohl am Tag hingegen das Risiko für Endometriose um bis zu 13 Prozent steigert. 

Fazit: Die optimale Ernährung bei Endometriose & Kinderwunsch


Grundsätzlich ist eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse nicht nur für die Vorbeugung von verschiedensten Krankheiten wichtig, sondern, im Falle einer Erkrankung, auch als Begleitung zu der Behandlung. Bestimmte Lebensmittel sorgen für eine erhöhte Zufuhr an symptomlindernden Nährstoffen und Vitaminen und sollten daher möglichst häufig auf dem Speiseplan stehen. Bist du an Endometriose erkrankt und hast einen bestehenden Kinderwunsch, ist es nochmal wichtiger, dass du auf deine Ernährung und einem generell gesunden Lebensstil achtest, um die Wahrscheinlichkeit für den gewünschten Schwangerschaftseintritt zu erhöhen. 

 

Quellen & weiterführende Artikel


Harris et al. (2018): Fruit and vegetable consumption and risk of endometriosis. 

Link: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29401293/  
 

Helbig et al. (2021): Does Nutrition Affect Endometriosis? 

Link: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33574623/  
 

Karlsson et al. (2019): Experiences of health after dietary changes in endometriosis: a qualitative interview study. 

Link: https://bmjopen.bmj.com/content/10/2/e032321.abstract  

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