In-Vitro-Fertilisation (IVF) bei Kinderwunsch: So läuft sie ab


Seitdem sie 1978 zum ersten Mal erfolgreich angewendet wurde, konnte sie zahlreichen Paaren weltweit den langersehnten Kinderwunsch erfüllen: Die Rede ist von der klassischen In-vitro-Fertilisation. In diesem Blogbeitrag klären wir auf, für wen diese geeignet ist, wie sie abläuft und informieren zudem über Erfolgschancen und Kosten der IVF.



Was ist die In-vitro-Fertilisation?

Der Begriff In-vitro-Fertilisation (IVF), bezeichnet eine Methode der künstlichen Befruchtung im Labor. „In vitro“ ist lateinisch für „im Glas“; gemeint ist damit das labortypische Reagenzglas oder die Petrischale. „Fertilisation“ kommt ebenso aus dem lateinischen und ist das medizinische Fachwort für die Befruchtung, also die Vereinigung von Eizelle und Spermium.  

Die In-vitro-Fertilisation ist die älteste Methode der künstlichen Befruchtung und daher auch als „klassisches“ Verfahren bekannt. Dabei werden Eizelle und Spermium in einem Labor im Reagenzglas zusammengebracht, damit eine Befruchtung stattfinden kann. Die klassische IVF wurde seit ihrer Erfindung stetig weiterentwickelt, wodurch neue Methoden wie die ICSI und die IMSI entstanden sind. Gleichzeitig wird die Bezeichnung IVF auch synonym als Überbegriff aller künstlichen Befruchtungsmethoden außerhalb des weiblichen Körpers verwendet.  

Wann die In-vitro-Behandlung eingesetzt wird

Die klassische In-vitro-Fertilisation wird in der Regel bei folgenden Fällen eingesetzt: 

  • Wenn die Frau eine reduzierte Qualität oder Anzahl von Eizellen aufweist (oder beides) 

  • Wenn die Eileiter der Frau blockiert oder beschädigt sind 

  • Wenn die Frau unter Endometriose leidet 

  • Wenn der Körper der Frau Antikörper gegen die Samenzellen des Partners bildet 

  • Wenn das Spermiogramm des Mannes eine schlechte Samenqualität bezüglich Anzahl, Beweglichkeit und Form ergeben hat  

  • Wenn die Gründe für die Unfruchtbarkeit ungeklärt bleiben und sowohl eine Hormonbehandlung als auch eine Insemination erfolglos blieben 

  • Bei wiederholtem Auftreten von Fehlgeburten  

Welche künstliche Befruchtungsmethode angewendet bzw. empfohlen wird, hängt individuell vom Kinderwunschpaar ab. Erst nach einer umfassenden Diagnose kann der Facharzt das am besten passende Verfahren für das jeweilige Paar bestimmen.  

Ablauf einer In-vitro-Fertilisation

Die klassische In-vitro-Fertilisation lässt sich grob in die folgenden 5 Phasen einteilen. Tatsächlich unterscheiden sich die klassische IVF, die ICSI und die IMSI hauptsächlich beim Schritt der Befruchtung an sich: Während bei der klassischen IVF die Verschmelzung von Ei- und Spermazelle im Reagenzglas „von allein“ passiert, wird dieser Schritt bei der ICSI und IMSI aktiv unterstützt. Die weiteren Schritte verlaufen weitestgehend gleich. 

 

IVF-Phase 1: Stimulation der Eierstöcke 

Für eine möglichst hohe Erfolgschance sind mehrere Eizellen erforderlich. Da eine Frau pro Zyklus eine, maximal zwei Eizellen produziert, werden mithilfe einer Hormonbehandlung die Eierstöcke stimuliert, damit mehrere Eibläschen (Follikel) heranreifen.  

Sobald diese nach ca. 8-12 Tagen eine ausreichende Größe erlangt haben, wird mithilfe eines weiteren Medikaments der Eisprung (Ovulation) ausgelöst, um die Eizellen entnehmen zu können. 
 

IVF-Phase 2: Samenabgabe  

Am Tag der Eizellentnahme findet auch die Samenabgabe statt, sofern die Befruchtung mit dem Eigensamen des Mannes oder mithilfe einer privaten Samenspende durchgeführt wird. Die Spermaabgabe findet in der Regel zu einem früheren Zeitpunkt als die Eizellentnahme statt, damit das frische Sperma im Labor noch aufbereitet werden kann. Findet die Befruchtung mithilfe eines Spendersamens einer Samenbank statt, fällt der Schritt der Samenabgabe weg und wir bereiten im Labor die kryokonserviert angelieferte Samenspende für die Befruchtung auf. 
 

IVF-Phase 3: Eizellgewinnung  

Sobald der Eisprung künstlich ausgelöst wurde, können die herangereiften Eizellen innerhalb von 36 Stunden entnommen werden. Dieser Eingriff erfolgt unter Kontrolle eines vaginalen Ultraschalls direkt durch die Scheide. In der Regel wird die Frau dafür lediglich leicht sediert und befindet sich nicht unter Vollnarkose. Zur Sicherheit für die Frau und zur Vermeidung von Schmerzen nutzen wir dafür in unserer Clinic die erprobte Doppler-Punktion

Was bei der sogenannten Punktion genau passiert: Jedes Eibläschen wird mithilfe einer Hohlnadel angestochen (punktiert) und die darin enthaltene Flüssigkeit mit der Eizelle abgesaugt (aspiriert). Über einen Monitor kann das Kinderwunschpaar in unserer Clinic den Vorgang beobachten. Anschließend wird das Röhrchen mit Flüssigkeit direkt in unser Labor gereicht, wo unsere Mitarbeiter die tatsächliche Anzahl der gewonnenen Eizellen feststellen können. Auch dabei kann das Kinderwunschpaar über den Monitor im OP zuschauen. Wichtig: Die Anzahl der tatsächlich gewonnenen Eizellen kann geringer ausfallen, als die Anzahl der abgesaugten Eibläschen vermuten lässt. Nicht jedes Eibläschen enthält eine Eizelle, zudem kann es vorkommen, dass eine Eizelle (noch) nicht ausreichend herangereift ist.  
 

IVF-Phase 4: In-vitro-Befruchtung  

Die gewonnenen Eizellen werden zusammen mit den aufbereiteten Spermien in einem Reagenzglas mit speziellem Nährmedium zusammengebracht. Das Reagenzglas wird in einem Brutkasten aufbewahrt, welches die idealen Bedingungen einer gesunden Gebärmutter simulieren soll. 

Am nächsten Tag wird unter dem Mikroskop kontrolliert, wie viele Eizellen befruchtet werden konnten bzw. wie viele Embryonen sich entwickelt haben. Die weitere Entwicklung der Embryonen wird anschließend tagelang genau beobachtet. 
 

IVF-Phase 5: Embryotransfer 

Nach ca. 5 Tagen hat ein Embryo das Stadium einer Blastozyste (Vielzellstadium) erreicht. Da sich allerdings nicht alle Embryonen gleich entwickeln, wird eine Selektion vorgenommen, um die vielversprechendsten Embryonen in die Gebärmutter der Frau rückzutransferieren. Die restlichen Embryonen werden für einen etwaigen nächsten Versuch kryokonserviert. 

In der Regel werden ein, maximal zwei Embryonen eingesetzt, um die Chancen einer Einnistung so hoch wie möglich und gleichzeitig das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft möglichst kleinzuhalten. Der Transfer findet ohne Narkose statt und kann vom Kinderwunschpaar wiederum über einen Monitor beobachtet werden.  

Nun heißt es, Geduld zu haben: In ca. 2 Wochen gibt ein Schwangerschaftstest Aufschluss über den Erfolg der Behandlung. 

Erfolgschancen der IVF

Die Erfolgschancen einer IVF hängen, wie auch jedes andere assistierte Verfahren, von individuellen Faktoren wie dem Alter und Lebensstil des Paares ab, genauso wie auch von der Qualität der Ei- und Samenzellen und der Gebärmutter. Durchschnittlich liegen die Erfolgschancen auf eine Schwangerschaft mit einer IVF bei etwa 35-45 %. 

Die Kosten einer IVF

Die assistierte Befruchtung mithilfe der klassischen IVF ist günstiger als eine ICSI oder IMSI, da sie nicht so aufwändig ist. Kinderwunschpaare werden in Österreich finanziell vom IVF-Fonds unterstützt, sofern sie die dafür benötigten Voraussetzungen erfüllen. In unserer Clinic muss sich das Kinderwunschpaar darum nicht kümmern, die Abwicklung mit dem Fonds übernehmen wir für unsere Patienten. Die genauen und aktuellen Kosten (Stand: September 2023) für sowohl Selbstzahler als auch für Fonds-Patienten haben wir übersichtlich aufgelistet

Fazit

Unsere Clinic verfügt über mehr als 30 Jahren Erfahrung in der Reproduktionsmedizin. Mit der klassischen IVF-Methode kam ich schon sehr früh in Berührung, nämlich bereits in den 80er Jahren im Rahmen mehrerer Studienaufenthalte beim Erfinder der IVF, dem Nobelpreisträger Dr. Robert „Bob“ Edwards, selbst. Durch meine langjährige Erfahrung weiß ich, dass eine umfassende Diagnose im Vorfeld unerlässlich ist. Darauf aufbauend wird dem individuellen Kinderwunschpaar die für sie passendste Methode zur Erfüllung ihres Kinderwunschs ausgewählt – sei es die klassische IVF, ICSI, IMSI oder eine Insemination. 

Falls du dich für den genauen biologischen Ablauf der IVF und der detaillierten Embryonalentwicklung interessierst, kannst du das gerne hier nachlesen. 

Quellen & weiterführende Artikel

Eskew et al. (2017): A History of Developments to Improve in vitro Fertilization. 

Link: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30228571/ 

 

Johnson (2019): A short history of in vitro fertilization (IVF). 

Link: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31058305/ 

Gut zu wissen