Welchen Einfluss hat die Schilddrüse auf Fruchtbarkeit und Schwangerschaft?

Die Schilddrüse ist eine der wichtigsten Schaltstellen im menschlichen Körper und gilt deshalb als „Motor“ des Stoffwechsels. Sie produziert lebensnotwendige Hormone und ist für viele Stoffwechselvorgänge verantwortlich. Eine vermehrte oder verminderte Produktion an Schilddrüsen-Hormonen kann Körper und Seele aus dem Gleichgewicht bringen – und vor allem auch direkte Auswirkungen auf Fruchtbarkeit und Schwangerschaft haben.

Die Schilddrüse und der erhöhte Hormonbedarf in der Schwangerschaft

Der Weg zum Wunschkind ist eine Zeit voller Veränderungen. Neben all dem Wandel im unmittelbaren Umfeld erleben Mamas in spe, wie sich ihr Körper umstellt. Das betrifft auch den Hormonhaushalt und die Schilddrüse. Immerhin muss sie am Beginn der Schwangerschaft bis zu 50 % mehr Hormone bilden, da das Ungeborene anfangs auf die Hormone der Mutter angewiesen ist. Für alle, die es ganz genau wissen wollen: Dabei geht es vor allem um die lebenswichtigen Schilddrüsenhormone Triiodthyronin (T3) und Thyroxin (T4), die an der Steuerung von Stoffwechselvorgängen und am Wachstum beteiligt sind. Erst ab der 12. Schwangerschaftswoche ist die Schilddrüse des Fötus in der Lage selbstständig Hormone zu produzieren.

Warum Jod in Sachen Schilddrüse nicht nur in der Schwangerschaft wichtig ist

Um ausreichend Schilddrüsenhormone produzieren zu können, benötigt der Körper wiederum Jod. Sowohl eine ausreichende Aufnahme von Jod als auch eine gute Einstellung des Schilddrüsenstoffwechsels sind für eine gesunde körperliche und geistige Entwicklung des Wunschbabys entscheidend.

Vor etwa 100 Jahren war Österreich ein Jodmangelgebiet. Durch das zusätzliche Jodieren von Speisesalz, Nahrungsmittel und Mineralwasser sowie durch verstärkte ärztliche Kontrollen hat sich das inzwischen geändert. Allerdings mindert der Trend zur salzarmen Ernährung mittlerweile die positive Entwicklung. Belegt ist zudem, dass die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Schwangere empfohlene Jodaufnahme von 250 bis 300 μg pro Tag in Österreich in der Regel nicht erreicht wird. Daher werden gerade in der Frühschwangerschaft oft zusätzliche Jodpräparate empfohlen. Während der Schwangerschaft wird zu einer jodreichen Ernährung geraten: Das wichtige Spurenelement ist vor allem in Milch (-produkten), Seefisch, Meeresfrüchten und in jodhaltigem Mineralwasser zu finden.

Die Bedeutung der Schilddrüse für die Fruchtbarkeit und den Kinderwunsch

Schon vor der Schwangerschaft hat die Funktion der Schilddrüse aufgrund des erhöhten Hormonbedarfs direkte Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit. Eine gesunde Schilddrüse kann sich an die Veränderungen einer Schwangerschaft problemlos anpassen. Haben Frauen aber eine Schilddrüsenstörung oder eine Schwäche in der Hormonproduktion kann dies häufig auch die Ursache für ungewollte Kinderlosigkeit sein. Eine rechtzeitige Früherkennung erspart Kinderwunsch-Paaren viel Zeit und bedeutet gleichzeitig auch mehr Lebensqualität.

Schon gewusst? In Österreich und in Deutschland ist beinahe jeder dritte Erwachsene von einer Schilddrüsenerkrankung betroffen. Frauen trifft dies viermal häufiger – vor allem in Phasen hormoneller Umstellung wie Pubertät, Schwangerschaft oder Menopause.

Was bedeutet eine Schilddrüsenunterfunktion vor und während der Schwangerschaft?

Bei der Unterfunktion (Hypothyreose) läuft der Körper sozusagen auf Sparflamme. Dies kann unter anderem für eine gestörte Hormonbildung in den Eierstöcken, Zyklusstörungen und Unfruchtbarkeit sorgen. Die allgemeinen Symptome sind geringere Stoffwechselfunktionen und Gewichtszunahme. Eine unentdeckte und unbehandelte Unterfunktion kann bei Schwangeren zu Fehlgeburten, Frühgeburten, Schwangerschaftsvergiftungen, Geburtskomplikationen oder gar geistige und körperliche Entwicklungsstörungen des Kindes führen. Die häufigste Ursache einer Unterfunktion ist eine chronische Schilddrüsenentzündung (Autoimmunthyreoiditis, Hashimoto-Thyreoiditis). Die Schilddrüsenunterfunktion kann mit Hormontabletten einfach und effektiv behandelt werden. Allerdings sind engmaschige Kontrollen im Laufe der Schwangerschaft notwendig.

Was bedeutet eine Schilddrüsenüberfunktion vor und während der Schwangerschaft?

Wird der Organismus langfristig mit zu viel Jod versorgt, kommt es zu einer Überproduktion an Schilddrüsenhormonen (Hyperthyreose). Typische Symptome sind verstärkte Schweißbildung, beschleunigter Herzschlag, Herzrhythmusstörungen, schnelle Ermüdung, Zittern und ständiges Hungergefühl. Eine unbehandelte Überfunktion während der Schwangerschaft erhöht ebenfalls das Risiko von Früh- und Fehlgeburten, Schwangerschaftsvergiftungen, Plazentaablösungen sowie einer Missbildung des Kindes. Bei Frauen mit Überfunktion und Kinderwunsch sollte die Schilddrüse vor der Familienerweiterung dauerhaft behandelt werden, da sie ansonsten eine Schwangerschaft verhindern kann. Laufende Schilddrüsen-Behandlungen dürfen auch dann nicht abgesetzt werden, wenn sich Nachwuchs ankündigt. 

Wie wird eine Schilddrüsenfunktionsstörung festgestellt?

Festgestellt wird eine Schilddrüsenfunktionsstörung mittels ausführlichem Patientengespräch, Bestimmung von Schilddrüsen-Werten (TSH, Hormonwerten und Antikörpern) und einer Sonographie. Um Paaren die bestmögliche Behandlung zu bieten, arbeitet die Kinderwunsch-Clinic Dr. Zech in Sachen Schilddrüsenabklärung eng mit Schilddrüsenspezialisten zusammen.

Fazit: Egal, ob vor, während, nach – aber auch unabhängig von einer Schwangerschaft: Die Schilddrüsenfunktion sollte regelmäßig von medizinischen Experten untersucht werden, und zwar bei Frau UND Mann.